Strobl Architekten

WETTBEWERB ORTSGESTALTUNG BISCHOFSHOFEN
ERLÄUTERUNGSBERICHT

1. Die Ausbildung einer durchgängigen, kraftvollen Raum- und Platzgestaltung mit klarer Definition von Anfang und Ende, Betonung von Schlüsselstellen, Gliederung in Ruhe- und Bewegungszonen.
2. Die Entwicklung von erkennbaren, Identität stiftenden Einzelelemente, die durch ihrer Materialauswahl und zeitlosem Erscheinungsbild die Akzeptanz der Bevölkerung uneingeschränkt gewinnt.

1. RAUM- UND PLATZGESTALTUNG:
Der Kernbereich wird im Süden und Norden wie folgt eingefasst:
- Im Norden wird am Beginn der Bahnhofsstrasse ein starkes Zeichen gesetzt. Eine Infosäule bildet im örtlichen wie im inhaltlichen Sinn den hell leuchtenden Anfangspunkt und wegweisenden Hinweispfeiler.
- Im Süden existiert durch die Enge der Häuser eine eindeutige Torsituation, die durch den Bodenbelag und Fassadenbeleuchtung nochmals aufgewertet wird.
Der räumliche Zusammenhang der beiden Pole wird durch besondere Elemente, wie das multifunktionale Granitband und die durchlaufende Lichterkette verstärkt.
Der Straßenraum der Bahnhofstrasse wird vorrangig für den Fußgängerverkehr gestaltet. Hauptelement ist das Band, das ausgehend von der Infosäule im Norden bis zum Eingangsplatz des KARO-Centers führt. Der Streifen aus großformatigen Granitplatten gliedert den Straßenraum in Querrichtung und wird nur bei den Ein- und Durchfahrten der Häuserzeilen unterbrochen. Diese gegebenen, ortspezifischen Unterbrechungen der Häuserfronten werden als Thema aufgenommen und generieren einen Mäander aus Pflastersteinbändern, die den Straßenraum wiederum in Längsrichtung gliedern. Die quergelegten Bänder wirken für den Kraftfahrzeugverkehr verlangsamend und für den mit anderem Tempo die Strasse erlebenden Fußgänger entstehen kleine, gerahmte Plätze für Sondernutzungen oder einfach zum Verweilen.
Der Mohshammerplatz wird optisch aufgeweitet. Eine einheitliche Textur und die geringe Absetzung des Fahrbahnteiles tragen dazu bei. Die durch die Verschränkung der Fassadenfronten gegebene räumliche Spannung wird durch die Struktur des Bodenbelags aufgenommen und betont.
Das Zentrum des Platzes bleibt frei um den Raum nicht einzuschränken. Im obersten Randbereich wird um das symbolträchtiges Element "Baum" eine sich aus dem Boden hebende Plattform eingerichtet, die wie eine Art Podium den Platz besser überblicken lässt und deren Rand als Bank genutzt werden kann.
Dem gegenüber wird der Gainfeldbach als zweites Symbol "Wasser" thematisiert. Der unterirdische Bachlauf zeichnet sich in der Pflasterung ab und tritt punktuell als Springbrunnen in Erscheinung.
Der Vorplatz zur Kirche soll an den Mohshammerplatz angebunden werden, aus diesem Grund wird in dem in beiden Richtungen befahrenen Zwischenbereich der Gehsteig bodeneben ausgeführt. Die Pflasterung wird zum Teil unter den Arkaden des Raiffeisengebäudes durchgeführt und erstreckt sich entlang des Ortseinfahrttores bis hin zur Kirchenfassade. Der Kirchplatz wird um 70cm gesenkt, mit Granit gepflastert und mit Treppen, einer Behindertenrampe und Sitzbank ausgestattet.
Raumprägende Prinzipdetails: der Übergang Boden-Fassade wird akzentuiert, entlang der Häuserfronten werden trennende Bänder aus Kopfsteinpflaster geführt. Entwässerung, Kanaldeckel und Lichtsäulen verlaufen im Raster der Bodenbeläge. Verbindende Achsen werden als in den Boden eingelassene Messingbänder ausgeführt.

2. EINZELELEMENTE:
Multifunktionales Band: besteht aus großformatigen Granitplatten, aus denen sich mehrere skulpturartige Einzelteile hervorheben. Das Band hat die Funktionen Schanigarten, Parkplatz, Ladefläche, Marktstand etc. zu erfüllen. Es wird durch die Ein- und Ausfahrten unterbrochen und durch diese Zwischenzonen in Länge der Bahnhofsstrasse strukturiert.
Infosäule: bildet den markanten Anfangspunkt der Bahnhofstrasse. Der Sockel wächst aus dem Granitstreifen hervor, darüber schichten sich beleuchtete Acrylkörper, die als Gemeindeankündigungstafel und vermietbare Werbeträger verwendbar sind.
Bänke und Sitze: Sockel mit Granit belegt, mit integrierter, indirekter Bodenbeleuchtung. Darauf können nach Bedarf Einzelsitze oder Bankauflagen montiert werden (z.B. Fa.Gestra, Modell Sitz Solo und Modell System City Confort) Die gegenüberliegende Situierung bei Ein- und Ausgängen bildet intime Kleinstplätze.
Fahrradständer und Mistkübel: bestehen ebenfalls aus Granit (z.B. Produkt Fa. Gestra, Modell EZZO 200)., an der Seite zu den Fußgängern werden in die gleichen Granitumkleidungen Mistkübel (z.B. Sineu Graff, Modell Ref.500) eingesetzt.
Schanigärten: werden durch aus dem Granitstreifen hervorgehende Blumentröge in Längsrichtung begrenzt und direkt entlang des Fahrstreifens wird im Boden eine Stahlschiene für Einsteckgläser versenkt. Im Sommer werden Glasscheiben eingesetzt, auf die z.B. der Name des Cafe´s aufkaschiert wird, und so als halbtransparente Abtrennung dient. Im Winter werden die Scheiben entnommen und eine Metallkappe deckt den Spalt ab. Der Bereich kann dann als Park- oder Ladefläche genutzt werden.
Lichtstelen: begleiten das Granitband und schaffen als blendfreie Lichterkette die Verbindung zum Mohshammerplatz und weiter zum Kirchenvorplatz. Die sanft schimmernden Lichtskulpturen sind in Ihrer Prägnanz und durch die Nähe zu den Passanten ein wichtiger identitätstiftender Bestandteil.
Brunnen: der Gainfeldbach wird durch die Beseitigung des Wartehäuschens vom Mohshammerplatz aus sichtbar, bevor er unter dem Platz durchläuft. Als artifizielle Verlängerung werden bodenbündige Springbrunnen eingesetzt, die den Bach symbolisch an die Oberfläche bringen. Die einzelnen Düsen sind befahrbar und können der Platznutzung entsprechend unterschiedlich ein- oder ausgeschaltet werden. Im Normalbetrieb sind die oberen fünf Düsen ein und die zwei auf der Fahrbahn liegenden ausgeschaltet. Zur Einrichtung einer Verkehrssperre für den Platz können alle gleichzeitig in Betrieb gehen.

3. MATERIALIEN:
Die Anzahl der Oberflächen sind reduziert, es werden ortsübliche, gegen Vandalismus resistente Materialen verwendet.
Bodenbeläge:
- Granit warmtonig hell geschliffen für besondere Elemente (Brunnen, Plattform, Band, Möblierung)
- Granit hell gestockt für die übrigen Steinflächen (Platzflächen)
- Kopfsteinpflaster für Randbereiche und Mäandernde Bänder
- Asphalt mit warmfarbiger Kieseleinstreuung (Zwischenflächen)
Stahlteile:
- Grauguss für Kanalgitter und Baumscheibe (z.B. Fa. SineuGraff, Modell Berlin)
- Gleichfarbige Beschichtungen für übrige Metallgegenstände, verzinkt und mit einem ofengebrannten Polyesterpulver versehen, die mit der Struktur einen Rohmaterialeffekt aufweist (System RAL SINEU GRAFF, Farbe Interpon 610 Bronze700) für Lichtstelen, Sitze.
- Messing für die im Boden eingelassenen Sicht- und Fahrspurachsen.

4. BELEUCHTUNGSKONZEPT:
Vorgeschlagen wird ein sanftes Beleuchtungskonzept bei dem die Leuchten als Lichtskulpturen im Straßenbereich in Erscheinung treten (z.B. Fa.Durlum System Bartenbach: Stelenleuchte).
Zusätzlich werden einzelne Bereiche durch die in Ortsmöbel integrierten, indirekten Bodenstrahler hervorgehoben.
Einzelne Fassaden wie links und rechts des Einfahrtsbereiches (Pfarrhof), sowie die Kirchenfassaden sollen mit im Boden bündig eingebauten Fassadenstrahlern aufgehellt werden.
Durch die bodennahen Lichtquellen wird für Anrainer jegliche Blendung in der Nacht verhindert. Das Konzept wurde gemeinsam mit der Fa. DURLUM-AUSTRIA für Bischofshofen entwickelt. Die Anzahl und Positionierung wurde gemäß technischem Standard auf 10-15 Lux Ausleuchtung abgestimmt.

5. NUTZUNGSKONZEPT:
Bischofshofen hat sich zum überregionalen Einkaufszentrum entwickelt. In diesem Sinn versteht sich auch das Kerngebiet als Shopping Meile und im Besonderen die Bahnhofsstrasse soll sich als "Einkaufszentrum unter freiem Himmel" präsentieren.
Der Mohshammerplatz soll den gemeindeinternen Abläufen, für Feiern und als beliebter Treffpunkt dienen. Der Entwurf ermöglicht die unterschiedlichsten Nutzungen:
- Ortszentrum: mit Schanigärten, Wartezone und Bushaltestellen, Sitzplätze unter der Linde, 2 Behindertenparkplätze.
- Marktplatz: der Verkehr wird abgesperrt, eventuell über den oberen Parkplatz abgeleitet; die Größe der Marktstände entspricht Anhängerständen.
- Konzertveranstaltung: z.B. mit Bestuhlung und Bühne, die natürliche Neigung des Platzes ermöglicht sehr gute Sichtverhältnisse und kann auch für Konzerte gut genützt werden.

6. VERKEHRSKONZEPT:
Das vorliegende Verkehrskonzept wird prinzipiell übernommen und umgesetzt, im Bereich zwischen Mohshammerplatz und Kirchenvorplatz werden folgende Adaptierungen vorgenommen:
- die vom Mohshammerplatz kommende Fahrspur wird nicht verschwenkt sondern geradlinig Richtung Süden weitergeführt, was zu einer angenehmen Verbreiterung des Gehweges bei den Arkaden führt und den von Süden kommenden Verkehr optisch daran hindert auf den Mohshammerplatz einzufahren.
- Die Fahrspur wird vom Gehweg niveaugleich gestaltet, der Kraftfahrzeugverkehr wird durch Kopfsteinbänder und die gepflasterte Kreuzung bei der Torsituation verlangsamt.

7. SONSTIGE PLANUNGSGEBIETE:
- Im Bereich vor der Volksschule wird auf der Gasteinerstraße eine begrünte Mittelinsel errichtet um den Verkehr zu verlangsamen. Quer zur Fahrbahn werden ebenfalls Pflasterbänder eingebaut. Die bestehenden Fichten werden gefällt und der Grünbereich vor der Schule mit niederer Bepflanzung gegliedert.
- Der obere Marktplatz wird entsprechend Bestand mit Parkplätzen ausgestattet, das Zentrum mit Pflastersteinen akzentuiert.
- Im Bereich der Salzburgerstraße wird dem alten Baumbestand entsprechend ein Kinderspielplatz eingerichtet. Zur Strasse hin wird mit niederen dichten Hecken eine der Sicherheit der Kinder dienende Abtrennung geschaffen.

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