Strobl Architekten

Das Objekt

Das ursprünglich als "Neues Schneidereigebäude" bezeichnete Büro- und Betriebsgebäude an der Gabelung Hütteldorferstraße - Heinrich-Collin-Straße wurde laut Bescheid vom 27.11.1991, da die Erhaltung des Gebäudes im öffentlichen Interesse gelegen ist, unter Denkmalschutz gestellt.
Das 1909/1910 nach Plänen des Architekten Franz Sobotka entstandene dominante Eckgebäude war vorderster Trakt des damals großflächigen Industrieareals der Österreichisch-Amerikanischen Gummifabrik AG ("Semperit").

Der dreigeschoßige Betonskelettbau soll sowohl in seiner äußeren wie auch in seiner faszinierenden innenräumlichen Erscheinung erhalten werden und mit den Anforderungen einer zeitgemäßen Entwicklung überlagert werden. Dieser scheinbare Gegensatz findet seine Verknüpfung in drei Bereichen. Zum Ersten soll die früheren städtebaulichen Prägnanz des Objektes neu definiert werden. Weiters wird das Zusammentreffen der alten und neuen Bauteile durch einen sorgfältigen und präzise sanierenden Umgang mit der historischen Substanz betont und zum Dritten werden Nutzungen aquiriert, die sowohl die Qualitäten der historischen Substanz nutzen, wie auch die ökonomischen Rahmenbedingungen der respektvollen Wiederherstellung sichern.

Städtebauliches Prinzip

In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt wurde eine, an der Hütteldorferstraße deutlich zurückgesetzte, aufgesetzte Gebäudestruktur entwickelt, die der Höhenentwicklung der neuen Nachbarbebauung entspricht.
Im Bereich der Platzbildung Hütteldorferstraße - Heinrich-Collin-Straße wird durch diesen Aufstockung ein Kopfbau ausgebildet, der dem historischen Gebäude die ursprüngliche städtebauliche Signifikanz wiedergeben soll.

Zubau Heinrich Collinstraße

Der Zubau an der Heinrich-Collin-Straße ist als plastische Volumskonfiguration konzipiert, um gleichsam als Sockellandschaft den Dialog mit der stilisierten Kolossalordnung des historischen Bestandes aufzunehmen. Diese Wirkung als Kolossalordnung wird durch die mächtigen Backsteinpfeiler und die zwischen die Pfeiler gesetzten, geschmückten Parapetfelder erreicht.
An der Heinrich-Collin-Straße wird der niedere Bauteil an die Feuermauer des Objektes ON 3 angebaut, um aus der Fußgängerperspektive die Dominanz dieser Feuermauer zu reduzieren, an der Stirnfront zur Hütteldorferstraße springt der Zubau von der Baufluchtlinie zurück um die Anlagerung des Zubaus klarer auszuformen.

Fassadenschichtung

So wie Anfang des letzten Jahrhunderts Architekt Sobotka eine stark strukturierte Sichtziegelfassade als Blendwerk vor die damals hochmoderne Stahlbetonskelettstruktur gesetzt hat, wurde nun für die Neubauteile eine vergleichbare Vorgehensweise gewählt. Die aus statischen Gründen extrem leichten Auf- und Zubauten mit ihren Stahlkonstruktionen und Betonfertigteilwänden erhalten eine Haut aus Aluminiumgusstafeln.
Abdrücke von gefrorenem Pflanzengeflecht bilden in durchgehendem Rapport eine schimmernde, reliefhafte Oberfläche. In Ihrer Modularität ummanteln sie als sich wiederholende Einzelelemente die neuen Baukörper und bilden eine gleichwertige Ergänzung zur historischen Sichtziegelfassade.

Nutzungsstrategien

Ziel war ein Nutzungskonzept zu entwickeln, welches langfristig in der Lage ist die Großzügigkeit der alten Industriehallen zu erhalten und auf heutigen Standard aufbauende Nutzungen in die alte Struktur zu integrieren.

Das Fitnesscenter mit seinen großflächigen Trainingsbereichen profitiert aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln von der Transparenz und Einfachheit der alten Stützenkonstruktion. Die Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau ist gleichzeitig das Zentrum des Clubs, Verteiler und Treffpunkt für die Nutzer, ein spannender mehrstöckiger Raum, der geprägt ist von flächigen auskragenden Ebenen und Aussen wie Innenraum des historischen Gebäudes erlebbar macht.

Ab der Ebene 2, der obersten Bestandsebene, sind Büroflächen vorgesehen. Der große Raum bildet den Rahmen für ein Büronutzungskonzept, das in der Lage ist, sowohl Gewohntes zu integrieren, wie auch eine Plattform für spezielle Bürostrukturen zu bilden. Eine Durchdringung der Arbeitsprozesse durch intelligente Bürotechnik und eine befähigte und wenige verwaltete Mitarbeiterschaft bedingt auch eine Optimierung der Raumnutzung um die Produktivität durch Interaktion und Kreativität zu fördern.

Zur Anpassung an Marktverhältnisse wurde eine große Flexibilität in der Gestaltung der Bürogrössen gefordert. Mit wenigen Fixpunkten wie Sanitärschächte und Stiegen wird eine Infrastruktur geschaffen, die sowohl komplette Offenheit der Geschosse ermöglicht, aber auch kleine einzelne Einheiten versorgen kann. Durch Vorbereitungen von Treppendurchbrüchen ist Zusammenlegbarkeit von Büros vertikal und horizontal möglich. Gleichzeitig sollen auch Flächennutzungskosten minimiert werden.

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