STÄDTEBAULICHES KONZEPT
Die maßstäbliche Anpassung an die feingliedrige Bebauung in Mülln und im Krankenhausbereich wird durch Gliederung des Bauvolumens in einzelne Baukörper erreicht.
Die einzelnen Baukörpersegmente werden durch verbindende Zwischenelemente zusammengefügt.
Die auf der gegenüberliegenden Lindhofstraßenseite vorhandene offenen Bauweise wird durch die Einteilung in einzelne Baukörper wiederholt.
An das bestehende Postgebäude wird in Höhe und Bauflucht durch einen eigenen Baukörper angeschlossen.
Die Kubaturen werden in Richtung Grünland abgestuft.
Die Akzentuierung der Krankenhaus Hauptachse entlang der Müllner Hauptstraße erfolgt durch Einschnürung im obersten Geschoss.
Durchblicke und Sichtachsen innerhalb des Krankenhausareals werden freigelegt.
GRÜNRAUMKONZEPT
Ziel ist die Erhaltung des Grünland innerhalb des Krankenhausparks und eine Vernetzung der bestehenden Grünlandflächen des Müllnerhügels.
Vollständige Erhaltung des Baumbestandes westlich der ehemaligen Hebammenschule, Zurückrücken dieser Bauflucht zur Schonung während der Bauphase.
Geringstmögliches Eindringen in das südliche Grünland durch zugespitzte, kompakte Bauform.
Weiterführung des Grünstreifens entlang der Lindhofstraße bis in den Krankenhausvorplatz und Überleitung bzw. Miteinbeziehung der Müllner Grünflächen von Krimpelstätters Gastgarten.
VERKEHRSKONZEPT
Ziel ist eine Entflechtung der Verkehrströme mit folgenden Maßnahmen:
Einführung einer Linksabbiegespur zum Krankenhaus
Trennung von Krankenhausvorplatz einfahrendem und ausfahrendem Verkehr
Verlegung und Verlängerung der Bushaltestelle längs der Kioskbereiche
Vorrangigkeit der fußläufigen Verbindungen gegenüber dem motorisierten Verkehr
Durchläufigkeit der Radwege von Lindhofstrasse über Kreuzung zum Kai
Beruhigung und Abtrennung des Vorplatzes durch verlängerten Grünstreifen entlang der Lindhofstraße
Fußgängerspezifische Oberflächengestaltung des Vorplatzbereiches.
Verlagerung der Anlieferung nach Süden zur Entflechtung des ohnehin starken Verkehrsaufkommens im Vorplatzbereich.
Verlegung der Kurzparkplätze in das Untergeschoss der Bauetappe 2, wo in Teilbereichen eine Tiefgarage vorgeschlagen wird, deren Ein- und Ausfahrten im Verkehrskonzept schlüssig integriert sind.
VORPLATZBELEBUNG
Der Vorplatz als Treffpunkt und verkehrsberuhigter Zone soll mit langgestreckten Sitzbänken und Oberflächengestaltung eine Gliederung erfahren, die zum Verweilen einlädt und im Sommer vielleicht mit einem Straßencafe bewirtschaftet wird.
Die gesamten Erdgeschosszonen im Bereich des Krankenhausvorplatzes werden zurückgesetzt, die Obergeschosse kragen darüber hinaus.
Diese geschützte Zone wird mit belebten Funktionen gefüllt.
Südlich der Einfahrt werden Kioske und Cafe´s situiert.
An der nördlichen Fassade der Kinderambulanz sollen Sichtverbindungen zwischen Vorplatz und belebten internen Wartebereichen möglich werden.
AUSBAUKONZEPT
Die Bauetappe 1 umfasst einen vollkommen eigenständigen Baukörper und ist völlig unabhängig von der Bauetappe 2 jederzeit realisierbar.
Die Erschliessungsflächen in Anschluß an die Gynäkologie bilden eine prägnante Zäsur und erleichtern punktuelle Anschlüsse von Zubauten.
Abzubrechen sind nur die Cafegebäude und die Hebammenschule
Klar definierte Andockstellen im Bereich des bestehenden Stiegenhauses der Gynäkologie minimieren die Umbauarbeiten am bestehenden Gebäude.
Die Kioske bleiben während der Bauetappe 1 vollständig erhalten, während der Umbauphase 2 können diese in bereits ausgewiesene Flächen im EG der Neonatologie vorübergehend untergebracht werden. In weiterer Folge können für diese Flächen zusätzliche Mieter (z.B. Sanitätshäuser) gefunden werden.
Das Konzept der einzelnen Baukörper erlaubt auch während der Bauphase 2 eine Beibehaltung der östlichen Krankenhauseinfahrt.
HAUSTECHNIKKONZEPT
Die Haustechnikzentrale wird auf dem Dach positioniert
Von dort können auf kürzestem Weg die Intensivbereiche versorgt werden
Die Vertikalerschließung erfolgt über drei an strategischen Punkten positionierte Hauptschächte
Wärmeversorgung:
Zur Deckung der gesamten Heizlast, sowie zur Versorgung der lufttechnischen Anlagen ist die Aufstellung eines Heizumformers geplant. Die Primärversorgung erfolgt über das krankenhauseigene Fernwärmesystem. Im gesamten Gebäude sorgt ein thermoaktives Heizsystem (Fußbodenheizung) Sommer wie Winter für ein angenehmes Raumklima. Im Sommer wird die Oberflächentemperatur des Fußbodens zwischen 22°C und 24°C mittels eingesetzter Kühlenergie gehalten. Damit wird bereits ein geringer Teil innerer und äußerer Lasten abgeführt und so reduzieren sich die einzusetzenden Luftmengen zur Kühlung der Räume.
Warmwasserbereitung:
Brauchwassererwärmung über Solarkollektoren an der Südseite der Dachlüftungszentrale. Bei einem Überangebot von Solarenergie wird die überschüssige Energie ins hauseigene Heiznetz eingespeist und damit z.B. die Nachheizung für die Entfeuchtung bei den Klimaanlagen im Sommer betrieben.
Lüftung und Kälteversorgung:
Sämtliche Räume werden mit mechanischen Lüftungsanlagen be- und entlüftet bzw., wo laut Önorm H 6020 erforderlich, klimatisiert. Die Kälteerzeugung sowie Luftaufbereitung erfolgt in den beiden Dachzentralen.
GESTALTUNGSKONZEPT
Die einzelnen Baukörper sind in Ihrer Maßstäblichkeit der Umgebung angepasst.
Hauptgestaltungselement ist die horizontale Gliederung durch zarte Deckenplatten, die straßenseitig bündig mit der vorgesetzten Klimahaut verlaufen und gartenseitig als weit auskragende Dach- bzw. Balkonplatten in Erscheinung treten.
Zwischen den Decken sind unterschiedlich vor- und rückspringende Wandpaneele eingesetzt. Das Schattenspiel und der gespiegelte Baumbestand schaffen eine tiefgreifende Verbindung mit dem anschließenden Park.
Die zurückhaltende Einfachheit an der Straßenseite wird durch ein changierendes Spiel aus unterschiedlich bedruckten Paneelen hinter der halbspiegelnden Schallschutzverglasung konterkariert.
Der am Dach aufgesetzte Haustechnikbereich ist weit zum Gebäudeinneren hin zurückversetzt.
RAUMKONZEPT
Der neue Baukörper der Neonatologie erhält mit begrünten Innenhöfen zwei zusätzliche grüne Lungen, die nicht nur der Belichtung dienen.
Die Höfe bilden Zentren der Orientierung, des sich Sammelns und schaffen die notwendige Luft zum Durchatmen.
Der größere Hof im Norden reicht bis in das Erdgeschoss und schafft hier zusätzlichen Terrasse für das Cafe.
Der kleinere südliche Hof dient im 1. und 2. Obergeschoss der Neonatologie als interner Erholungsfreiraum. Ein intimer Ruhepol für Ärzte, Schwestern und Eltern.
Die Intensivzimmer sind zum Park hin orientiert, das Elternrefugium und die Ärzteräume ebenfalls.
In der Intensivstation bildet der Schwesternstützpunkt das Zentrum, sämtliche Raumanordnungen sind auf beste Weg- und Sichtverbindungen hin optimiert.
Der Besucherbalkon hat eigene geschützte Nischen, er kann unabhängig von den Intensivzimmern sowohl von Besucherseite als auch von den Ein- und Zweibettzimmern verwendet werden.
Die Hebammenschule wurde im EG situiert, da die Orientierung zum Park mit eigener Terrasse von Vorteil gegenüber der Situierung im 1.OG ist. Die Räume könnten aber nachweislich genauso im Bereich des Bildungszentrums im 1.Obergeschosses untergebracht werden.
INNENRAUMGESTALTUNG INTENSIVZIMMER
Die Trennung der 4-Bettzimmer in Zweibettzimmer erfolgt mittels mittig angeordneter Schiebewände. Eine weitere Unterteilung ist durch aus der Vertäfelung ausklappbare Faltwände möglich.
Die Arbeitseinheiten sind zentral angeordnet, der Blick zu den Monitoren ist von überall gewährleistet.
Materialität und Funktionen:
Die Materialien unterstreichen den hellen wohnlichen Charakter, Holzvertäfelungen verstärken die wohnliche Atmosphäre. Die Farben reichen von hellen Grün- zu sanften Orangetönen. Die materialspezifisch kalte Härte der Glasscheiben wird an nichttransparenten Stellen durch färbige Satinato-Folien aufgehoben.
Die Holzvertäfelungen werden durch Schiebe- bzw. Klapp-Schwingflügel geöffnet, dahinter befinden sich die technischen Geräte und Anschlüsse.
Durch eine auf die Geräte abgestimmte Teilung der Wandvertäfelung kann auf die jeweiligen Erfordernisse eingegangen werden und muss nur der absolut notwendige Bereich für die Versorgungsleitungen offen gelassen werden.
Das Bett wird bei Bedarf aus der Wandvertäfelung herausgeklappt.
Kangoroo Care:
Eigene Wand- und Fensternischen sind direkt neben den Betten zum Park hin ausgerichtet, um für die Zeit des Stillens und Kanguruhings eine Oase der Ruhe und Entspannung zu schaffen.
Die Grundfunktionen des vorgeschlagenen Stuhls passen genau zu dieser Atmosphäre:
Stillschale "PEEL":
Der Zweck einer Schale ist es, den Inhalt zu schützen - ihn zu umarmen und zu behüten. Hier ist Mutter und Kind der Inhalt und der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Idee beruht auf einem Ausgewogenheitsprinzip, Ziel ist die optimale Entspannung:
Freie Drehung und unterschiedliche Positionen zum Sitzen, zum Liegen zum Schaukeln.
Ein fester Winkel zwischen Sitz und Rückenstütze verhindert unnötige Belastungen und erlaubt ungehinderte Atmung und Blutzirkulation.
Seitliche Rundungen der Schale erlauben unterschiedlichste Abstützmöglichkeiten beim Stillen.