Zum Gestaltungskonzept
Rüdiger Lainer - Werner Silbermayer - Erich Monitzer
Darstellung statt Ausstellung
Die Ausstellung ist als Implantat, das klar abgehoben von der historischen Substanzen und den neuen Ergänzungen, die Eigenständigkeit des Themas betont, ist die architektonische Grundhaltung der Ausstellungskonzeption. Ein Versuch, das vorhandene Raumpotential auszunutzen, um daraus Räume zu schaffen, die in sich Stimmungen, Entwicklungen, Ereignisse darstellen können.Grundsätzlich ist die Ausstellung zum Thema Jugendkulturen 68 - 98 gestalterisch und inhaltlich faszinierend, da versucht werden kann, nicht zur "auszustellen", sondern vor allem "darzustellen". Einserseits geht es um das Schaffen von Stimmungen, das Vermitteln der Lebensgefühle verschiedener Zeiten und Gruppen. Andererseits sollen Wertvorstellungen, Grundhaltungen präzisiert und Entwicklungen verknüpft werden. "Jugend" wird nicht als geschlossenes Feld, sondern als dynamischer Prozess gesehen. Die Gestalt der Ausstellung basiert auf der zeit- und gruppenbezogenen Kombination jeweils eines "Stimmungsraumes" mit dem darauffolgenden "enzyklopädischen" Raum. Diese Raumpaare sind entlang eines Parcours aufgefädelt und den Zeitabschnitten (den 60ern, 70ern, etc.) sowie auch Gruppenformen (z.B. Techno, Ravern, etc.) zugeordnet. Die Vernetzung und Überlagerung verschiedener (medialer) Schienen ermöglichen das Erleben, Ergehen, Erhören, Ersehen.
Raumerlebnisse
In den Stimmungsräumen, die als eigene Körper in den Bestand und Neuzubau von Riegler-Riewe hineingesetzt sind, werden über Musik- und Filmausschnitte, Lichtstimmungen, Projektionen prägende "feelings" einer Zeit, einer Gruppe inszeniert. Eine Art Zeitrafferchoreografie einer Epoche, die sinnlich intensiv Assoziationen hervorruft. Danach direkt angebunden liegt der jeweilige enzyklopädische Raum in dem ausschnitthaft Wissen, Hintergründe, Ereignisse, Haltungen mit Ausstellungsstücken, Objekten, Bildern, Texten etc., vermittelt werden. Dieser Parcours soll in seiner Folge von Ausschnitten aus Vergangenheit und Gegenwart einen abwechslungsreichen Überblick bieten, jedoch auch dem allgemeinen Verständnis dienen. In diesen Räumen sind als vertiefende Schicht Studiernischen situiert, die mit zusätzlichem Informationsmaterial, Einblicke in individuell bestimmbare Schwerpunkte ermöglichen.
Der eigene Weg
Diese Abfolge von Emotion und Wissen ermöglicht den Besuchern den Rundgang auch selbst zu strukturieren. Zum Beispiel kann ein - auch schneller - Durchgang, konzentriert auf die Stimmungsräume wie eine Art Zeitraffer, die Entwicklung der Jugendkulturen erspüren lassen. Ein vertiefender Rundgang ermöglicht in den enzyklopädischen Räumen konzentriert verschiedene Themen und Bezüge zu erfahren. Es können Themen durch die Zeit verfolgt werden, z. B. die Veränderungen im gesellschaftlichen Engagement, die Ereignisse, die dieses Engagement ausdrücken, die Auswirkungen auf das Verhalten des "Ich".
Die Einbeziehung der Gegenwart
Wesentlich sind die Jugendaktivitäten der Gegenwart. Dazu ist der Großteil der Erdgeschoßfläche den unterschiedlichsten aktuellen Nutzungen vorbehalten, die als dichte Folge von Ereignissen ein pulsierendes Bild bieten werden. Eine breite Fülle von Rahmenveranstaltungen und begleitenden Einrichtungen wird die Ausstellung ergänzen und soll regional stimulierend wie überregional von Bedeutung sein.