Ein gut angelegter Obstgarten bringt lange guten Ertrag...
...und der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm.
Leben mit Tradition bedeutet Leben mit Überlieferung, Fortbestand und Weitergabe. Aus tiefverwurzelter Tradition entsteht kraftvolles neues Leben. Genauso sehen wir unser Projekt als Stammhalter im Sinne einer alten Tradition.
Der Feyerlhof zeugt von einer langen bäuerlichen Vergangenheit, die erst vor 100 Jahren in der Entwicklung Maxglans von einer bürgerlich-städtischen Struktur überlagert wurde. Vom ursprünglich sehr stattlichen Bauernhofensemble ist nur ein abgeschnittener Torso übrig geblieben, eine letzte Reminiszenz an Salzburgs Historie. Nun wird der Feyerlhof wieder zum Mittelpunkt und Katalysator einer zeitgemäßen Neuentwicklung.
1. STÄDTEBAULICHE EINBINDUNG:
Das Gebiet zwischen Maxglaner Hauptstraße und Franz Huemer Straße zeichnet sich durch eine Bebauungsstruktur aus, deren Hauptmerkmal die gründerzeitlichen Solitärbauten sind. Die dichte Blockrandbebauung im Bereich der Maxglaner Hauptstraße löst sich im südlichen Bereich der Franz Huemerstraße durch zurückgesetzte einzelne Villen auf. Der daraus entstandene Charakter der offenen, begrünten Freiräume in Verbindung mit großzügigen Grundstücksflächen soll trotz Verdichtung durch folgende Maßnahmen erhalten und verbessert werden:
- Die neuen Baufluchten treten von den Straßenrändern zurück. Im Bereich Franz Huemer Straße treten sie sogar weit hinter die bestehenden Villen zurück.
- Die verschränkte Anordnung zum Bestand bringt auch für die nördliche Bebauung freie Durchsicht gegen Süden.
- Die Erhöhung der Geschosszahl auf E+4 im Rahmen der Nachbarschaftsabstände ermöglicht in Verbindung mit einer minimierten Grundflächenzahl ein Maximum an begrünter Gartenfläche.
- Die minimierte bebaute Fläche ermöglicht den Erhalt des alten Baumbestandes.
- Die Geschossflächenzahl wird zwischen Bräuhausstraße und Stieglstraße auf Grund der großen Grundstücksflächen auf 0,8 erhöht. Im westlichsten Block wird aufgrund kleinteiliger Besitzstruktur und damit fehlender Abstandsflächen zu 0,7 geraten.
Verdichtung passiert mithilfe des kompakten Typs der mehrgeschossigen Stadtvilla. Auch wird in zwei Fällen an ein bestehendes Gebäude angedockt. Die situationsbezogene Zuordnung der Geschossanzahlen und die verschränkte Anordnung ermöglicht Freiraumqualitäten, die durch folgende sich überlagernde Strukturierungsprinzipien geordnet werden:
- Es entsteht ein Wegenetz im nördlichen Bereich des Planungsgebietes, das die Straßenzüge miteinander verbindet, Durchsichten ermöglicht und die attraktive Villensiedlung eingeschränkt für die Öffentlichkeit erlebbar macht.
- Fahrzeugverkehr wird sofort in Tiefgaragen der Neubauten bzw. Stellplätze an den Rand der Blöcke verbannt.
- Die Hauseingänge liegen an kleinen nachbarschaftlich gestalteten Plätzen. Die Wege sind von grünen Begleitflächen gesäumt.
- Die neuen Bauten erhalten für ebenerdige Wohnungen Privatgartenanteile und zusätzlich halböffentliche Grünflächen und Spielflächen für die Bewohner der oberen Geschosse.
- Das Projekt im Bereich des Feyerlhofes versteht sich zusätzlich als Vermittler zwischen der überdimensionierten blockartigen Bebauung im Osten und den charmanten Einzelvillen im Westen.
In der Vertikalen passen sich die Bauvolumen den beiden vorgegebenen Richtungen, der Achse Feyerlgut und dem gründerzeitlichen Siedlungsraster an. Durch die Torsion erhalten die Baukörper Bezüge zueinander, öffnen das Panorama Richtung Süden auf und lassen den dahinterliegenden Bauten genügend Freiraum.
2. ARCHITEKTONISCHE GESTALTUNG:
Die Architektur ist geprägt von klar umrissenen Volumen und deutlich ablesbarem Miteinander von Alt und Neu. Mit zurückspringenden Fassaden werden auch bei tiefliegender Sonne die unteren Geschosse erreicht. Gleichzeitig ergibt sich ein Spiel von sich öffnenden und schließenden Räumen. Die Durchdringungen erlauben abwechslungsreiche Sequenzen mit spannenden Durchblicken und präzise formulierten Ein- und Ausblicken. Großzügige, uneinsichtige Balkone, Terrassen und Fensteröffnungen bieten bei aller Privatheit Aussichten zum Mönchsberg und einen Panoramablick hin zum Untersberg. Das gründerzeitliche Mehrparteienhaus dient als strukturelles Vorbild für die neuen Wohnbauten.
Die Vorteile der U-förmigen Wohnungsanordnung, des kompakten Erschließungsteiles mit angesetzten Sanitärversorgungen und der flexibel nutzbaren Zimmerfluchten finden sich im modernen Haus wieder. Gleichzeitig werden die alten Nachteile der starren Tragstruktur, Zwischenwände, Kaminmittelwand und engen Eingangssituation abgeschafft. Es entsteht ein simpler, aber hochflexibler und effizienter Gebäudetyp: Ein Kern mit Erschließung und Infrastruktur, sowie frei bespiel- und veränderbare umlaufende Nutzflächen. Zusätzlich verbessern zwei Schächte im Fassadenbereich die Möglichkeiten der freien Grundrisseinteilung. Diese Flexibilität des Wohnbereiches um den Kern zeigt sich auch und vor allem in der Fassadengestaltung. Mit wenigen, wiederkehrenden Grundmodulen werden die Fenster-, Fenstertür- und Balkonöffnungen spielerisch um den Gebäudekern positioniert.
3. FUNKTIONELLE GESAMTLÖSUNG:
Der Mittelpunkt der Anlage war und bleibt der Feyerlhof. Die Wegführung ist auf kürzest mögliche Anbindung an das öffentliche Wegenetz bedacht, auch zur Heinrich Kiener Straße und umschließt den Feyerlhof an allen Seiten. Das geplante Geh- und Radwegenetz im Westen findet hier seinen Ausgangspunkt.
NUTZUNGSKONZEPTE FEYERLHOF:
Nachdem die landwirtschaftliche Nutzung schon lange obsolet geworden ist, schlagen wir folgende neue Nutzung vor. Gemeinsam ist Ihnen die positive Auswirkungen auf das Viertel, die das Feyerlgut zu einer gut frequentierten, halböffentlichen Institution machen. Als wirtschaftlich interessante Alternative wird auch eine Variante erörtert, die das Gut als repräsentativen Firmensitz nutzt.
Variante A: Tageszentrum in Verbindung mit einem Wohnhaus :
- Im alten Gebäudeteil Verwaltung, Küche, Versorgung, Behandlungsräume,
- Speiseraum/Aufenthaltsraum Erdgeschoss,
- Gruppenraum im „Aug“-Apfel,
- Lounge obendrauf
- Parkanlage mit Terrasse, schattigen Sitzgelegenheiten, Freibodenspielen (Schachbrett) und Themen-Gärtnereien
Variante B: Therapie-/Ärztezentrum:
- Im alten Gebäudeteil Verwaltung, Versorgung, Behandlungsräume,
- Erdgeschoss Empfang und Wartebereich,
- Turnsaal „Aug“-Apfel,
- Ruheraum obendrauf
- Parkanlage mit Terrasse, Außengymnastik-Anlagen und Sitz- und Liegebänken;
Variante C: Firmenzentrale:
- Im alten Gebäudeteil Verwaltung, Büros, EDV, Nebenräume,
- Erdgeschoss, Empfangsbereich, Präsentationsfläche;
- Besprechungsraum /Vortragsraum im „Aug“-Apfel,
- Mitarbeiter-Lounge / KreativZone obendrauf
- Grünanlage mit Terrasse, Wasserbecken, Skaterpark, Sitz-und Liegebänken;
WOHNUNGSKONZEPTE:
Die freie Aufteilung der Wohnungsgrößen basieren auf Kleinstwohnungen, die zu unterschiedlichsten marktabhängigen Wohnungsgrößen kombiniert werden können. Von der 2-Zimmer-Wohnung für betreutes Wohnen mit 40m² bis zur großzügigen loftartigen Wohnung mit 192m² ist alles möglich. Die Wohnungen weisen bei aller Individualität wichtige qualitative Gemeinsamkeiten auf:
- kompakte Vorraumzonen, die mit abgehängter Decke auch der Technikverteilung dienen.
- Die Hauptschächte sind vom Gang aus erreichbar.
- Die Küchen können von den Wohnräumen abgetrennt werden.
- Die Bäder können entweder als Fertigteilzellen errichtet oder auch großzügiger direkt belichtet an der Fassade angeordnet werden.
- Die Balkone sind großzügig dimensioniert und bieten gleichzeitig private Intimsphäre und Schutz vor sommerlicher Überhitzung.
- Gartenwohnungen können auch mit den darüber liegenden Flächen zu Maisonette-Wohnungen kombiniert werden.
ERSCHLIESSUNG:
Die Tiefgarageneinfahrt wurde an der Bräuhausstraße platziert, um den Vorbereich des Feyerlgutes großzügig gestalten zu können. Ein- und Ausfahrt sind klar geregelt und an der Nordostecke des Grundstückes situiert. Jedes Gebäude hat eine direkte Liftanbindung und zugehörige Abstellräume, sowie eine Haustechnikzentrale im Tiefgeschoss. Die beiden Wohnbauten werden über einen gemeinsamen öffentlichen Vorbereich erschlossen, in welchem auch die Müllcontainer sind. Die Häuser selbst erhalten einladende überdachte Zugänge mit Fahrradabstellbereichen, im Innenbereich ist Raum für Kinderwagen und im Untergeschoss versperrbare Fahrradbereiche. Sämtliche Zonen sind behindertengerecht ausgeführt und dimensioniert.
4. FREIRAUM- und GRÜNRAUMGESTALTUNG:
Der öffentlichkeitsbezogene Freiraum zieht sich West-Ost gerichtet entlang des Geh- und Radweges über die Nordseite der Grundstücke. Beim Feyerlhof wird die Richtung nach Süden geschwenkt und mit dem bestehenden Waldgrundstück verbunden. Diese neue Achse begründet sich aus der traditionellen Orientierung des Hofes in Richtung Quellbrunnen der Stieglbrauerei. Der Ausblick reicht weiter bis zum Massiv des Untersbergs. Die privaten Gärten sind um 45cm über die angrenzenden Flächen angehoben. Die unvermeidlichen Geräteschuppen werden bereits vorab mit geplant. Sie sind mit den gleichen hellen Fassadenplatten verkleidet und werden wegseitig von Efeu im Laufe der Zeit überrankt. Sie dienen abwechselnd mit Buchenhecken als zusätzliche Sichttrennung zu den halböffentlichen Bereichen. Kleinwüchsige Bäume (Obst- oder Zierobstbäume) markieren die Privatgärten. Die Wege erhalten einen hellen, wasserdurchlässigen, zementgebundenen Tennenbelag, der segmentartig mit Trennfugen versehen wird. Die Parkplätze werden mit begrünten Rasenmatten verstärkt. Im Fahr- und Müllsammelbereich wird Asphalt verwendet.
THEMENBEREICHE FEYERLHOF:
- OBSTGARTEN (für Naschkatzen und Schnapsbrenner): im Südgelegene kleine Gruppe mit 4 alten traditionellen Sorten (Apfel „Berner Rosenapfel“, „Williamsbirne“, „Schwarze Knorpelkirsche“, „Pflaume“).
- KRÄUTERGARTEN (für Kräuterhexen und Gourmetköche): in erhöhten Rabatten als Abgrenzung zu den Privatgärten.
- SPIELGARTEN (für Kinder und Kindgebliebene): das bestehende bewaldete Dreiecksgrundstück wird mittels Straßen übergreifendem, erhöhtem wassergebundenem Belag an das Feyerlgut angeschlossen. Die sanften Hügel dienen als Gliederung zur viel befahrenen Franz Huemer Straße. Ein durchlaufendes Wassergerinne sammelt sich in der Mitte zu einem kleinen Becken. Der bestehende Kinderspielplatz soll hier integriert werden.
- PRIVATGARTEN (für Sonnenanbeter und Rasenmäherfetischisten): jede Erdgeschosswohnung erhält ein direkt von der Wohnung aus über die Terrasse begehbares Stückchen Grün. Als Distanz und Pufferraum zu den Privatgärten dienen Rabatte mit Steinbeeten und Bodendeckern. Ganzjähriger
Efeu wird als Sichtschutz über Zäune und Rankseile gezogen.
- HAUSBANK (für Bewohner und Besucher): vor jedem Hauseingang wird eine begleitende lineare Hausbank gesetzt, deren Rückenlehne im Bedarf auch als Sichtschutz gegenüber den Privatgärten dient. Am großteils freien Platz südlich des Feyerlhofes werden einige Betonskulpturen als Sitz-, Liege- oder Rutschgelegenheiten platziert.
- HAUSBAUM (zum in die Rinde ritzen): Der Hauptfassade des alten Feyerlhofes wird als identitätsstiftendes Gegenüber ein großer HAUSBAUM (z.B. Eiche, Linde, Nussbaum) gepflanzt. Auch die öffentlichen Plätze der Hauseizugänge erhalten identitätsstiftende Hausbäume.
- HOFZUFAHRT (für Fahrbares mit und ohne Motor): Unterschiedliche, harte Bodenbeläge wie zementgebundene Kieselsteinbeete oder Felsbrockenbeete, wechseln mit glattem, gefärbtem Asphalt ab.
5. WIRTSCHAFTLICHKEIT:
- Flexibilität bei Wohnungszusammenlegungen und nachträglichen Umbauten
- Schnelle Bauzeit durch hohen Vorfertigungsgrad in Modulbauweise
- Natürlich Querdurchlüftung der Tiefgarage
- Indirekter Sonnenschutz durch tiefe Balkone
- Fassadengestaltung ohne Brandüberschlag
- Erhöhte WNFL durch hochgedämmte und dünnere Holzriegelwände (im Vergleich zum Massivbau)
- Feyerlhof ist bei gleicher räumlicher Struktur für unterschiedliche Nutzungen konzipiert
- Maximale Grundstücksausnützung durch Erhöhung der GFZ auf 0,8 bei gleichzeitiger Dichteverträglichkeit zum Altbestand.
- Maximales Verhältnis WNFL zu BGF, da Eingangsbereiche und Balkone nicht dazu gezählt werden
- Bauen in Etappen: Unabhängige Errichtung von Wohnbauten und anierung/Erweiterung des Feyerlhofes, auch die Tiefgarage und das Kellergeschoss des Feyerlhofes kann in zwei Abschnitten errichtet werden.