Strobl Architekten

Das bestehende Jugendwohnheim Clearing House soll bautechnisch saniert werden. Die neue Fassade tritt als wichtiger Botschafter für diesen besonderen Ort auf, der der Unterbringung, Betreuung und Beratung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen dient.
Das Gebäude aus den 70er Jahren weist sowohl funktionale, baukünstlerische als auch (und vor allem) im Hinblick auf bautechnische Anforderungen so gravierende Bauschäden vor, dass die Gesundheit und in einigen Bereichen auch die Sicherheit der Bewohner und Nutzer gefährdet ist. Das bereits ausgebaute Satteldach wird abgetragen und durch einen zurückgesetzten Dachgeschossaufbau ersetzt.
Unsere Aufgabestellung
Ein ORT ist zu schaffen, der der Unterbringung, Betreuung und Beratung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen dient.
Eine ATMOSPHÄRE ist zu generieren, die dem Wesen einer temporären Begegnungsstätte unterschiedlicher Kulturen gerecht wird.
FREIRÄUME sind zu ermöglichen, wo jeder seinen individuellen Rückzugsort entdeckt.
Eine BAUWEISE ist zu verwenden, die Offenheit und Flexibilität garantiert und mit Energien und Ressourcen sorgsam umgeht.
Eine AUSSENWIRKUNG zu erreichen, die das Spannungsfeld der Integration in Österreich zum Thema hat.

Die Wirkung nach Außen
Die Realität der Jugendlichen handelt von AUFNAHME, HILFESTELLUNG und RÜCKHALT, BETREUUNG und INTEGRATION.
Von außen zeigt die Fassade demnach ihre einladende Wirkung, die Offenheit signalisiert, Neugier erweckt, Andersartigkeit thematisiert und Gemeinsamkeiten aufzeigt.
Auf die Bewohner und Betreuer bezogen zeigt sich eine spannendes Miteinander der Gegensätze:
STRUKTUR und FREIHEIT, ORDNUNG und FLEXIBILITÄT, SCHUTZ und PRIVATHEIT.

Unsere Idee
Flechtkunst ist eines der Handwerke, die in der ganzen Welt zu Hause sind. Überall werden einfache Gegenstände für den Haushalt geflochten. Auch ganze Häuser entstehen mittels kunstvollen Verflechtens von einfachen Materialien. Attribute wie Leichtigkeit, Einfachheit, Robustheit, gehen zusammen mit Sparsamkeit, Ökologie und Ressourcenschonung.
Österreich ist im Holzbau marktführend und in der ganzen Welt technologischer Vorreiter im innovativen sparsamen Umgang mit Ressourcen (Holzbau und Recyclingmaterialien).
Die Sanierung des Clearing Houses lebt diesen Vorsprung an Innovation und zeigt damit gleichzeitig auch seine historischen Wurzeln.

In Architektur übersetzt:
Ein Haus, bei dem sämtliche Funktionen, Abläufe und Infrastrukturen ein flexibles Netzwerk bilden, das mal enger und dichter, mal offener und lockerer verwoben ist.
Ein Haus, das aus seinem Inneren heraus die Vielfalt der Bewohner zeigt.
Ein Haus, das einlädt sich auf andere Kulturen einzulassen und seinen Bewohnern den Schutz gibt die sie brauchen.

Die bestehende Fassade aus ungedämmten Waschbetonteilen wird samt Fensterelementen abgebrochen, und neue Fassadenpaneele werden vorgehängt. Diese Elemente werden als Leichtbaufertigteile konzipiert, vorgefertigt und samt Fenstern in einem Arbeitsgang an die verbliebene massive Schotenstruktur des Bestandes angehängt. Die Innenseite dient als Verteiler für die neue Haustechnik.
Die Außenseite wird mit einem Flechtwerk aus Rockpanelplatten umspannt, dem neben Sonnen- und Witterungsschutz auch eine wichtige gestalterische Aufgabe zufällt. Die Einzelfenster sind prinzipiell im Flechtmuster ausgespart, vor großflächigen Verglasungen verdünnt sich die Flechtstruktur und wird durch eingefräste Lochbänder transparent.

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