Die Siedlung Herrnau wurde in den Jahren 1949 bis 1951 nach den Entwürfen von Otto Ponholzer errichtet. Nach seiner Aussage war die Aufgabe nicht Wohnquartiere zu bauen, sondern für den österreichischen Menschen eine neue Heimat zu gestalten. Verwunderlich in einer Zeit da Wohnraumschaffung mehr unter quantitativen als qualitativen Aspekten gesehen wurde.
Innerhalb der nächsten zwei Generationen wurden die meisten der Häuser mit fragwürdigen Zu- und Umbauten ergänzt.
Beim Haus Nr.19 ergibt sich die Chance, die Nachverdichtung in einer qualitätsvolleren Art zu realisieren. Aufgabe ist der Wunsch des Bauherrn nach Raum, Licht und Luft. Mit wenigen, präzisen Eingriffen soll das charmante Haus weg vom Gediegenen und hin zum Großzügigen aufgewertet werden.
Dem bestehenden Eingang wird ein allseitig verglaster Vorraum zugefügt. Vom Vorplatz gelangt man über eine Sichtbetontreppe auf das Vorpodest aus geschliffenem Estrichbeton. Der teilweise erforderliche Sichtschutz wird mit sich verdichtende Grafiken aus teil-sandgestrahltem Glas, oder Satinato- und Spiegelfolien erreicht.
Durch die Entfernung von Innenwänden wird im Erdgeschoss großzügiges offenes Wohnen ermöglicht. Im Obergeschoss wird das Badezimmer erneuert, das Dachgeschoss bleibt unverändert.
Im Untergeschoß wird die Ölheizung entfernt und der Anschluss an die Fernwärme eingerichtet.
Der zurückhaltende Zubau ordnet sich dem Haustyp Otto Ponholzers als transparenter Glaskubus unter. Der bestehende Garagenbau wird durch die Oberflächengestaltung des Vorplatzes besser an das Haus gebunden.
Im Süden werden die Fenster des Erdgeschosses bis auf den Boden verlängert.
Ziel ist, mit wenigen Materialien und Baustoffen einen eindeutig differenzierten Erkennungswert für ALT und NEU zu schaffen. Gestockter oder geschliffener Beton als Grundmaterial des Außenraums findet sich in Wegplatten und Treppen wieder.
Im Erdgeschoss soll mit Ausnahme des Windfanges ein durchgehender Parkettboden den Treppenbereich mit Essbereich und Küche verbinden. Der Zubau erhält als Kontrast einen geschliffenen Weissbetonstrich. Auch im Obergeschoss soll eine durchgängige Materialität des Bodens mehr Großzügigkeit ins Haus bringen.
Der Zubau ist vom Altbestand deutlich abgesetzt, ganz in Glas, und selbsttragend. Das Implantat schwebt über dem Boden und hält respektvoll Abstand vom Mauerwerk. Die Räume des Bestandes sind ganzheitlich immer spürbar, Hohlkehlen, Bögen und Stukkaturen werden herausgearbeitet.
Auf Wunsch des Bauherrn wird das alte Gebäude nicht zusätzlich gedämmt, es werden nur die Kastenfenster instand gesetzt. Das Dach wird neu gedeckt, die bestehende Zwischensparrendämmung aber nicht verstärkt.
Für den Windfangzubau wird eine gedämmte Sockelkonstruktion aus Stahlbeton mit Fußbodenheizung, sowie eine zweifach Isolierverglasung mit einseitig VSG ausgeführt.