Strobl Architekten

Wettbewerb MOSERSTRASSE 42

Ein kleiner ökologischer Fussabdruck;

1. Ökologisches Grundprinzip:

keep it simple.

Unter dem Ökologischen Fußabdruck (Englisch ecological footprint)[1][2] wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen. (Wikipedia)

Es liegt in unserer Verantwortung die Nachwirkungen jeder Intervention so gering wie möglich zu gestalten. Der Akt des Bebauens muss also mehr ein behutsames „sich Niederlassen“ sein, als ein rücksichtsloses Besetzen.

Unser Projekt setzt auf das Prinzip der Einfachheit, wenige Fundamente lassen die Erde weitgehend unberührt. Die Kubatur wird der Sonne und dem Jahreswechsel entsprechend ausgerichtet. Die Öffnungen entwickeln sich nach den Regeln der sommerlichen Eigenbeschattung und des winterlichen Energieeintrages.

Die Technik wird auf das letztendlich notwendige Maß reduziert. Auf Klimatisierung, Lüftungsanlagen und Solarthermie wird verzichtet. Der Energiebedarf wird über eine Photovoltaikanlage gedeckt und über eine Wärmepumpe der restliche Heizbedarf gesichert.

Das Gebäude entwickelt seine eigene thermische und lüftungstechnische Dynamik. Licht und Sonne wird im zentralen Atrium eingefangen und geregelt weitergeleitet. Raumklimatisch wirken massive mit Lehm verputzte Wände als Feuchtespeicher und CO2-Absorber.

Die Speichermassen der 75cm starken Ziegelwände lassen das Gebäude auch im Hochsommer kühl bleiben, natürliche nächtliche Lüftung über geregelte Fensterklappen verhindern Überhitzung.

Die Erweiterungsflächen sind als eigener unabhängiger Baukörper geplant, der sich bei Bedarf wie das passende Puzzlestück auf dem Grundstück einfügen wird.

Wenn der Lebenszyklus gegen Ende geht, können die einschichtig aufgebauten, recyclebaren Materialien an anderer Stelle wiederverwendet werden -ohne Polystyrol und sonstigem Sondermüll.

keep it simple.

1. STÄDTEBAULICHE EINBINDUNG

Der Baukörper versteht sich als Erweiterung des Gewerbearreals der ÖFAG-Gründe. In Diesem Sinn bildet er den Abschluss einer Sequenz von hohen und niederen Baukörpern und markiert den nördlichsten Punkt an der Kreuzung der Gleise zu Moserstraße. Sichtachsen bis zur Innsbrucker Bundesstraße werden aufgenommen, der um ein Geschoss niederere Erweiterungsbau umfasst den Raum westlich der Neubauten.

2. ARCHITEKTONISCHE GESTALTUNG

Das Gebäude mit seiner aus dem Lauf der Sonne entwickelten Gestalt bietet eine hohe Wiedererkennbarkeit und somit eine markante Adresse für die Benutzer.

Der monolithische Baukörper zeigt subtile Fensteröffnungen, die sich im Verlauf der Fassadenflächen fortlaufend verändern. Der Rhythmus der Öffnungen entstammt der eher allgemein funktionellen Raumaufteilungen eines Bürohauses. Von außen betrachtet, entsteht aber ein spannendes Spiel, das in jeder Himmelsrichtung unterschiedliche Proportionen zu bieten hat.

Auch wenn er auf den ersten Blick unaufgeregt einfach erscheint, so lässt der zweite Eindruck eine tiefreichende gestalterische Qualität erkennen. Dem Prinzip „keep it simple“ wird auch hier Folge geleistet.

3. FUNKTIONELLE GESAMTLÖSUNG

Die Haupterschließung ist an der Ecke Moserstraße zu zukünftiger Verbindungsstraße situiert. Der Autoverkehr wird umgehend zu den Parkplätzen der tiefergesenkten Freiflächen geleitet., so lässt die Oberflächengestaltung doch mehr Freiräume für enspannte fuss- und radläufige Verbindungen zu.

Die wichtige Anbindung an das öffentliche Radnetz wird mit der Brückenauffahrt und den geschützten Radfahrabstellbereich am Haupteingang betont.

Beide Eingänge treffen sich im Atrium, dem Zentrum des Hauses. Von hier werden über Lift- und Treppenerschließung die einzelnen Büroeinheiten und die Wohnungen im obersten Geschoss erreicht.Die Infrastruktur des Hauses orientiert sich an 4 Leitungssträngen, die jedes Geschoss in bis zu 5 Einheiten teilen lassen.

4. FREIRAUM- und GRÜNRAUMGESTALTUNG

Der neue Vorplatz mit einer Oberfläche aus Makadam führt über eine Brücke hinauf zum Eingang im Erdgeschoss. Unter dieser Brücke wird die Hangkante teils terrassiert, teils geneigt in natürlichen Kurven hindurchgeführt. Die bestehenden Bäume an der Nordseite geben die Geometrie der Kurven vor.

Der an der Einfahrt stehende Baum wird mit einer geschwungenen Hausbank ergänzt. Der abgesenkte Platz wird im Bereich der Parkplätze mit Rasensteinen belegt, Rampen und Terrassenplatten werden mit strukturiertem Beton kostengünstig und widerstandsfähig hergestellt.

5. MATERIALIEN und KONSTRUKTION

MATERIAL und FARBE: Ziegel - Lehm - Holz

- FASSADENOBERFLÄCHE: Die Ziegelwände bestehen aus leichteren Hochlochziegel mit 50cm Stärke außen und einer speicherfähigen, massiveren Ziegelschar mit 25cm innen. Der gesamte Bereich wird außen mit hoch diffusionsoffenem durchgefärbten Kalk verputzt und innenseitig mit Lehm verputzt.

- INNENRÄUME: vorab bleiben die Innenräume frei von Trennwänden bis auf die innere Atrium-Schale, die mit Lehm verputzt wird. Für die Mieter können die Grundrisse dann flexibel gestaltet werden.

- Je nach Anforderung können an die bestehenden Schächte Sanitärgruppen in Einkornsteinbauweise angeordnet werden, die sichtbar gemauert oder ebenfalls mit Lehm verputzt werden.

- Fenster und Türen: die hochgedämmten Holz-Fenster sind mit je einem Lüftungsflügel ausgestattet. Durch die tiefen Laibungen sind keine Abdeckschalen oder Sonnenschutzrollos erforderlich. Als Blendschutz kann ein Vorhang oder Springrollo im Inneren angebracht werden.

STATISCHES KONZEPT und KONSTRUKTION: aufgeständerte Tragplatte — Massivbauweise

- TRAGWERK: das kleine Sockelgeschoss in massiver Betonbauweise wird von einer 60cm starken Betonplatte überspannt. An den Gebäudeecken nehmen gebündelte dreifach-Säulen die Last der massiven Außenwände der Obergeschosse auf.

6. ENERGIETECHNISCHES KONZEPT: Passivhausstandard — einfache, kompakte Form

Die Gebäudehülle wird als Niedrigstenergiegebäude (entspricht Passivhausstandard) ausgelegt. Dies wird im gegenständlichen Projekt durch massive Außenwände in Ziegelbauweise und einer Gesamtstärke von 75 cm erreicht. Die Außenwand besteht aus einem raumseitigen Schwerziegel, der einerseits die entsprechende speicherwirksame Masse aufweist und andererseits den Schallschutz zwischen den Einheiten sicherstellt und einem außenliegenden 50er porosiertem Hochlochziegel, der den entsprechenden Wärmeschutz und eine doch erhöhte Speichermasse aufweist. Dadurch wird das Algenwachstum, wie dies häufig bei Wärmedämmverbundsystemen anzutreffen ist, am Fassadenputz vermieden. Aufgrund der detailliert geplanten Fassadenöffnungen, der innenliegenden Fenster, der sich südseitig nach außen verjüngenden Leibungen, sowie der leicht überhängenden Südfassade, sind die Fenster in den kritischen Sommermonaten nie einer direkten Sonnenbestrahlung ausgesetzt.

Um das Gebäude auch bei Hitzeperioden ohne betriebskostenintensive, sowie herstellungsintensive Kühlung nutzen zu können, ist ein Atrium geplant, das von Westen her über einen Durchgang erschlossen wird und außerhalb der Bürozeiten mittels Gittertor versperrt werden kann.

Das Atrium weist eine Oberlichte auf, welche gegenüber der restlichen Dachfläche des Objektes erhöht ist, sodass in den Sommermonaten quasi eine Zwangslüftung entsteht. Durch den Witterungsschutz des Daches können daher auch die Fensteröffnungen zum Atrium hin in den Nachtstunden geöffnet bleiben. Eine nächtliche Querdurchlüftung und somit maximale Nachtkühlung erfolgt über elektrisch angesteuerten Lüftungsflügel an den Hauptfassaden, an denBüroinnenwänden zum Atrium, im Eingangsbereich EG und im unteren Bereich des Atriums. Diese sind innenliegend und weisen einen beschränkten Öffnungswinkel auf, sodass sowohl ein Einbruchsschutz, als auch ein Witterungsschutz gegeben ist. In den Wintermonaten kann das Glasdach dicht verschlossen werden und fungiert so als Wärmefalle mit Massivabsorber an den sonnenzugewandten Seiten.

Auf den Dachflächen werden PV Module situiert, welche den Strom für eine Wärmepumpe erzeugen, sodass das Gebäude weitgehend autark funktioniert. Aufgrund des Grundwasserstandes in ca. 5 Meter Tiefe und dem äußerst geringen Heizwärmebedarf ist eine Wasser-Wasser Wärmepumpe geplant.

Die Wärmeverteilung im Gebäude erfolgt über Fußbodenheizungen, welche in den Sommermonaten auch für die unterstützende Raumkühlung herangezogen werden kann.

Für die Umsetzung werden einfache und klare Konstruktionen und Detaillösungen gewählt. Größtes Augenmerk wird auf eine wärmebrückenarme und luftdichte Ausführung der Gebäudehülle gelegt.

Bei der Wahl der Baustoffe wird auf ökologische Aspekte höchster Wert gelegt. D.h. es werden nicht nur die Energieverbräuche und Schadstoffemissionen bei der Herstellung betrachtet, sondern auch die erforderlichen Transporte der Grundstoffe sowie die Umweltverträglichkeit der Baustoffe in Zusammenhang mit einer späteren Entsorgung.

7. Lebenszykluskosten:

Robuste Materialien, weitestgehender Verzicht auf wartungsintensive Anlagentechnik, gepaart mit Passivhaus-Qualität bringen große Einsparungen im Bereich der Folgekosten. Speziell im Bereich Energie und Wartung der Anlagentechnik werden die Kosten von 40% auf 0 reduziert. Die sauber trennbaren und recyclefähigen Materialien verringern die Abbruchund Entsorgungskosten erheblich.

8. WIRTSCHAFTLICHKEIT:

- Kompakte zentrale Erschließung mit natürlicher Belichtung aller Gangflächen.
- Indirekter Sonnenschutz durch große Fensterleibungen gegen Süden ohne anfälligen Sonnenschutz.
- Unterschiedlichste Teilbarkeiten der Büroeinheiten zur leichteren Vermietbarkeit.
- Kosteneinsparung durch Entfall von Lüftungsanlagen und sonstiger wartungsintensiver Haustechnik.
- Nullenergiehaus durch eigene Photovaltaikanlage für Stromverbraucher.
- Einfache Wartung der Oberflächen durch gleichartigen Lehmputz.
- Geringe Gründungskosten durch Punktfundamente und Verzicht auf Untergeschosse.
- Weitspannende Deckenkonstruktionen aus Beton mit integrierter Speichermasse.
- Mobilitätskonzept „Bau auf´s Rad“ zur Verringerung des PKW-Verkehrs.
- Unabhängige zweite Bauetappe ohne Behinderung des Bestandgebäudes.

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